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Einfach zugreifen – ohne Kraftaufwand 01.06.2017 - 09:21
Einfach zugreifen – ohne Kraftaufwand

Einfach zugreifen – ohne Kraftaufwand

Schüler aus HamburggewinnenJugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Bensheim/Hamburg.Zwei Schüler der Stadtteilschule Kirchwerder in Hamburg haben eine Art Handschuh entwickelt, der die Bewegungen der Hand unterstützt und verstärkt. Mit dieser Exohand können auch Menschen mit eingeschränkter Handmotorik wieder greifen. Dafür erhalten Philip Hedram (15) und Gerrit Valentiner (16)den Sonderpreis „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“ der Christoffel-Blindenmission (CBM). Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Hamburg der Stiftung „Jugend forscht“vergeben.

Ein Fingertipp genügt

Bei einem Betriebspraktikum auf einer Baustelle wurde Gerrit klar, dass viele Arbeiten dort tatsächlich ein „Knochenjob“ sind und viel Kraft erfordern. Zusammen mit seinem Freund Philip nahm er sich vor, etwas zu konstruieren, das den Körper entlastet und auch für motorisch eingeschränkte Menschen nützlich ist. Im Schulprojekt „Jugend forscht“ begannen die beiden Jugendlichen, eine Exohand zu entwickeln: Die Fingerkuppen stecken dabei in Stahlkappen, die nur das erste Fingerglied bedecken und mit einer Metallplatte auf dem Handrücken verbunden sind. Diese Art Metallhandschuh ist an einer Unterarmschiene befestigt, auf der zwei kleine Motoren montiert sind. Von diesen laufen Seilzüge über den Handrücken bis zu den Fingerkuppen-Kappen und ziehen beziehungsweise schieben die Finger dadurch je nach Signal.

Die beiden Schüler merkten bald, dass der Daumen bei einer Greifbewegung am besten unabhängig von den anderen Fingern bewegt werden sollte. Deshalb bauten sie sowohl am Daumen als auch beim Zeigefinger Schalter ein, die je nach Bewegung aktiviert werden. Wird zum Beispiel der Schalter am Zeigefinger gegen ein Glas gedrückt, schieben die Seilzüge die Finger und die Hand umschließt das Glas. Sobald der Schalter nicht mehr gedrückt ist, verharrt die Hand in dieser Stellung ohne dass die Muskeln angespannt werden müssen – der Körper kann also entspannen und die Hand trotzdem greifen. Zum Lösen des Griffs wird der Zeigefinger dann einfach abgespreizt, wodurch ein anderer Schalter am Fingernagel aktiviert und die Seilzüge wieder zusammengezogen werden. Die beiden Schülertüftelten so lange an ihrer Exohand weiter,bis mit ihr tatsächlich auf einen Fingertipp hin Dosen zerdrückt, genauso aber auch Pfirsiche sanft gegriffen werden konnten. Für diese Entwicklung bekommen Philip Hedram und Gerrit Valentinerden CBM-Sonderpreis.

Landessieger haben Chanceauf nächste Runde - denBundeswettbewerb

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus. Prämiert werden Arbeiten, die behinderten Menschen den Alltag erleichtern oder sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen. Gewinnen können außerdem Ideen, die einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit hier und in Entwicklungsländern leisten. Denn weltweit gibt es rund eine Milliarde Menschen mit Behinderungen, 80 Prozent von ihnen leben in den ärmsten Regionen der Welt. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieserwird am 2. Juli beim Rollstuhl-Marathon in Heidelberg vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Seit über 100 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 650 Projekte in 63 Ländern.


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